8. Juni 2009

TAG 3

Als ich aufstehe, regnet es in Strömen und meine Lust auf eine Dschungeltour sinkt gen Null. Aber ich will ja kein Spielverderber sein, also springe ich in die Klamotten. Lange Hose mit Gummizug, Top, Sweatshirtjacke, Baseballcap, Funktionssocken und Turnschuhe. Ich fühle mich gut gewappnet gegen den Regen. Als ich allerdings die Lobby betrete, werden schon ganz reizende, feste und Oberschenkelhohe Socken verteilt, welche mittels eines Bandes festgezurrt werden sollen. Wir geben ein wundervolles Bild ab mit unseren Beinlingen. Irgendjemand fragt leise nach, wofür denn diese Beinlinge wohl nötig seien. Bei der Aussage, dass diese zum Schutz gegen die Blutegel gedacht sind, wird uns mulmig. Aber nun gut, so schlimm wird es schon nicht werden, denke ich. Sofort als wir den wolkenverhangenen Regenwald betreten, werden wir jedoch eines Besseren belehrt. Unser Führer rät uns, auf keinen Fall stehen zu bleiben, da dann die Egel kommen. Dies gestaltet sich jedoch als relativ schwierig, denn nach jedem 10. Schritt sind die Socken wieder herunter gerutscht. Der arme Sanjeewa muss mich mindestens 30-mal von den kleinen Blutsaugern befreien. die sich an meinem Schuhwerk zu schaffen machen. Eine der Mädels bekommt einen Ekelflash und nimmt Reißaus zurück zum Hotel. Wir anderen erreichen tatsächlich irgendwann die Bergspitze und dürfen uns dann dafür über eine gigantische Aussicht freuen. Wir sehen die dicken Regenwolken an uns vorbei den Berg hochziehen. Ein kleines Foto in meinem feinsten Outfit muss aber dann doch noch sein und wir treten den Rückweg zum Hotel an. Zurück im Hotel reiße ich mir erst die Socken vor der Tür und die Klamotten im Zimmer vom Leib. Wohin jetzt mit diesen "Egelkontaminierten" Ekelklamotten ? Ich denke kurz über eine Entsorgung der Klamotten nach, entscheide mich dann aber doch für die Variante, diese in eine zugebundene Plastiktüte im separaten Gepäck zu transportieren( Übrigens die Turnschuhe habe ich dann später doch entsorgt!). Diese Viecher können ja schließlich nicht ewig ohne frisches Blut überleben. Ich dusche ausgiebig und fange an, mich wieder wohl in meiner Haut zu fühlen. Nach dem Frühstück brechen wir auf nach Kandy um den Zahntempel zu besichtigen. Hier gibt es umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen und es wird hier richtig streng auf eine angemessene Kleidung geachtet. Hierfür stehen eigens Mitarbeiter zur Verfügung, um auf bedeckte Arme und Knie zu achten. Direkt am Eingang des Tempels hinterlegt man wieder die Schuhe - denn auch dieser Tempel darf natürlich nur Barfuss betreten werden. Innerhalb des Tempels toben überall die Affen herum. Zunächst gehen wir in die Obere Etage. Dort steht der Schrein mit den heiligen Zähnen des Erleuchteten. Überall sitzen Gläubige im Gebet vertieft. In einem weiteren Raum ist auf ausgestellten Bildern der Werdegang Siddartha Gautamas zu beschauen. Es gibt einen großen Altar. Wir erfahren gerade etwas über das Leben Buddhas, als uns plötzlich ein lauter Knall ablenkt. Die Affen hatten einen der Stoßzähne am Altar umgeworfen und einer der Mönche kam panisch angerannt um die Affen zu verscheuchen. Nach der Besichtigung des Zahntempels fahren wir zum Hotel Topaz.




Auch hier werden wir wieder herzlich empfangen und zünden Kerzen als Lebenslicht auf einem hohen Kerzenständer aus Messing an. Da auch das Hotel Topaz auf einem Berg gelegen ist, wird auch hier eine fantastische Aussicht über Kandy geboten. Das Hotel ist schon recht alt aber dennoch sehr gepflegt. Wir werden eingeladen nach der Besichtigung des Hotels das Mittagessen im Hotel einzunehmen. Es gibt ein umfangreiches Büffet mit Salaten, Curries und "westlichen" Speisen. Auch die Auswahl an Desserts ist gigantisch - von Torten, Cremes und Obst ist für jeden Geschmack etwas vorhanden. Nach dem Mittag fahren wir dann einem weiteren Highlight dieser Reise entgegen.



Wir wollen zum Bahnhof in Kandy um mit dem Zug in Richtung Negombo zu fahren. Wir haben reservierte Sitzplätze in der 2. Klasse. Unsere Tickets werden dann noch vor der Abfahrt von einem Kontrolleur in Oliv der aussieht wie Louis de Funes kontrolliert. Spontan verpassen wir wir ihm seinen neuen Spitznamen "Konrad Kontroletti". Die Klimaanlage besteht schlicht aus den geöffneten Fenstern. Da der Zug jedoch sehr langsam fährt, kann man während der Fahrt noch den Kopf hinaushalten. Interessiert stelle ich während der Fahrt fest, dass man in Sri Lanka offensichtlich verschiedene Meßsysteme mischt. Sanjeewa erklärt mir, dass man Höhen in Fuss misst, Längen und Entfernungen jedoch in Kilometer. auf dem Weg knipse ich ungefähr 1000 Fotos von denen ich jedoch leider einige wieder löschen muss, weil sie unscharf sind. Es gibt auf dieser Bahnfahrt jedoch so unglaublich viel zu sehen, dass man sich gar nicht satt sehen kann. Wir passieren, Dörfer, Reisfelder, Palmenwälder, Berg und Tal, Menschen die direkt an den Bahngleisen sitzen, oder auch auf dem Bahndamm zum trocknen abgelegte Wäsche. Nach ca. 2 1/2 Stunden verlassen wir den Zug in Gampaha leider schon wieder. wider im Bus zaubert Don Victor plötzlich für jeden von uns eine kleine Flasche Arrak aus seinem Gepäck. Spontan wie wir ja alle sind, bitten wir den Fahrer, kurz zu halten und Cola und Becher zu holen. Im Bus werden dann die ersten "Flachmänner" mit den 1 1/2 Litern Pepsi gemischt. Eine zugegeben recht harte Mischung. Nach nicht allzu langer Fahrzeit erreichen wir Negombo im Sonnenuntergang und beziehen unsere Zimmer im Hotel "The Beach" kurz darauf. Wieder hat uns die Incoming Agentur Jetwing Travel Einzelzimmer spendiert. Da wir noch in Etwa 2 Stunden Zeit bis zum Dinner haben, springen einige von uns erst einmal in den großen Pool. Schön erfrischt zieht es uns in unsere Zimmer um uns für das Abendessen zu stylen. Um halb Acht treffen wir uns in dem offenen Restaurant direkt am Strand. Es gibt ein großes Büffet, welches keine Wünsche offen lässt. Fisch und Meeresfrüchte sind in einem alten Fischerboot aufgehäuft. Man sucht sich die Fische und Meeresfrüchte aus und anschließend werden diese nebenan am Grill zubereitet. Nach dem Essen lädt uns Don Victor noch zu einigen weiteren Arrak Cola etwas abseits des Restaurants im Garten ein und holt seine Gitarre heraus. Trotz des Badeverbots traue ich mich dann aber doch, zu späterer Stunde wenigstens kurz meine Füsse in den indischen Ozean zu tauchen. Gegen halb zwölf löst sich die gesellige Runde dann aber auch auf. Morgen stehen noch einige Hotelbesichtigungen und der Besuch des Fischmarkts in Negombo auf dem Programm.